8.30. Entsättigen

Mit dem Befehl Entsättigen können Sie alle Farben einer aktiven Ebene in die entsprechenden Graustufen umwandeln. Dies unterscheidet sich allerdings in zweierlei Hinsicht vom gewöhnlichen Umwandeln in Graustufen. Zum einen arbeitet es nur auf der aktiven Ebene und zum anderen bleiben die Farben der Ebene RGB-Werte mit drei Komponenten, wobei Rot, Grün und Blau den gleichen Wert annehmen (R=G=B), was Grau ergibt. Das bedeutet, dass Sie auf der Ebene oder Teilen davon farbig malen können.

[Anmerkung] Anmerkung

Dieser Befehl funktioniert nur mit den Ebenen von RGB-Bildern. Bei Bildern in Graustufen oder im Indizierten Modus kann es nichts tun.

8.30.1. Aufruf des Befehls

Dieses Filter lässt sich über das Menü FarbenEntsättigenEntsättigen … im Bildfenster aufrufen.

8.30.2. Eigenschaften

Abbildung 16.198. Das Dialogfenster »Entsättigen«

Das Dialogfenster »Entsättigen«

Modus: Für die Umwandlung der Farben in Graustufen stehen fünf Optionen zur Verfügung:

Leuchtkraft

Die Graustufen werden mittels linearisiertem sRGB berechnet:

Leuchtkraft = (0,22 × R) + (0,72 × G) + (0,06 × B)
Luma

Die Graustufen werden mittels nicht-linearisiertem sRGB berechnet:

Luma = (0,22 × R) + (0,72 × G) + (0,06 × B)
Helligkeit (HSL)

Die Graustufen werden folgendermaßen berechnet:

Helligkeit (HSL)) = ½× (max(R,G,B) + min(R,G,B))
Durchschnitt (HSI-Intensität)

Die Graustufen werden folgendermaßen berechnet:

Durchschnitt (HSI-Intensität) = (R + G + B) ÷ 3
Wert (HSV)

Die Graustufen werden folgendermaßen berechnet:

Wert (HSV) = max(R,G,B)

Abbildung 16.199. Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Ausgangsbild

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Ausgangsbild


      

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Leuchtkraft« angewandt.

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Leuchtkraft« angewandt.


      

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Luma« angewandt.

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Luma« angewandt.


      

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Helligkeit (HSL)« angewandt.

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Helligkeit (HSL)« angewandt.


      

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Durchschnitt (HSI-Intensität)« angewandt.

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Durchschnitt (HSI-Intensität)« angewandt.


      

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Wert (HSV)« angewandt.

Verwendung der fünf Modi zum Umwandeln zwei verschiedener Farbbilder in Schwarzweiß

Filter »Wert (HSV)« angewandt.


8.30.3. Vergleich der Ergebnisse unter Verwendung der verschiedenen Optionen zur Umwandlung der Farben in Schwarzweiß:

  1. Der Grad und die Richtung, aus der die verschiedenen Möglichkeiten der Schwarzweißumwandlung von einer direkten leuchtkraftbasierten Umwandlung abweichen, hängen von folgenden Faktoren ab:

    • Die gewählte Umwandlungsmethode.

    • Der RGB-Farbraum, in dem die Umwandlung ausgeführt wird.

    • Sättigung der Farben im Originalbild, wobei bei stärker gesättigten Startfarben (wie auf der roten Kugel und der hellgelben Sonnenblume) die Abweichung von einer gewöhnlichen leuchtkraftbasierten Umwandlung größer ist.

    • Die Farbtöne der verschiedenen gesättigten Farben in einem Bild bewirken ebenfalls einen Unterschied, zum Beispiel im Vergleich von Gelb- zu Rottönen.

    • Da der HSV-Wert für jedes Pixel das Maximum der RGB-Kanalwerte ist, ist er immer heller als das ursprüngliche Farbbild und auch heller als alle anderen Möglichkeiten zur Konvertierung in Schwarz-Weiß.

  2. Vergleich der roten Kugel mit der gelben Sonnenblume:

    • Bei der roten Kugel erzeugt »Leuchtkraft (HSL)« ein zur »Leuchtkraft« recht ähnliches Ergebnis, die Umwandlung mittels »Luma« ist dagegen viel dunkler.

    • Bei der Sonnenblume erzeugt »Luma« ein zu »Leuchtkraft« vergleichbares Ergebnis, während die Umwandlung mit »Leuchtkraft (HSL)« wiederum viel dunkler ist.

    • Beachten Sie, dass die weniger gesättigten Teile nahezu gleich aussehen, ganz gleich welche Methode der Umwandlung der Farben in Schwarzweiß Sie wählen.

8.30.4. Weitere Informationen zu den fünf Optionen zur Umwandlung der Farben in Schwarzweiß:

  1. Weitere Informationen zur Leuchtkraft:

    • »Leuchtkraft« ist die einzige physikalisch bedeutsame Weise zur Umwandlung eines Farbbildes in Schwarzweiß, da das schwarzweiße Ergebnisbild die gleiche relative Leuchtkraft hat (sie reflektiert den gleichen Prozentsatz an Licht von den verschiedenen Graustufen) wie die Farben im Originalbild.

    • Die Leuchtkraft muss mittels linearisierter RGB-Werte berechnet werden.

    • Der Einfachheit halber sagen wir »Leuchtkraft«, aber meinen damit eigentlich »Relative Leuchtkraft«. Weitere Informationen finden Sie in den Wikipedia-Artikeln zur Luminanz und zum CIE-Normvalenzsystem.

    • GIMP 2.10 verwendet fest kodierte sRGB-Werte zur leuchtkraftbasierten Umwandlung in Schwarzweiß. Zukünftige GIMP-Versionen werden die Umwandlung von Bildern in andere Farbräume ermöglichen.

  2. Weitere Informationen zu Luma:

    • »Luma« erhalten Sie, wenn Sie die Formel für Leuchtkraft auf RGB-Werte anwenden, die nicht sauber linearisiert sind. Luma bezieht sich auf die »Leuchtstärke«-Methode aus GIMP 2.8 zur Umwandlung in Schwarzweiß.

    • Im Vergleich zu GIMP 2.8 verwendet die »Luma«-Option in GIMP 2.10 etwas andere Multiplikatoren. Diese wurden sauber Bradford-adaptiert von D65 auf D50, was zur Nutzung eines ICC-Profils in einem Bildbearbeitungsprogramm mit Farbverwaltung erforderlich ist (zumindest bis zur Veröffentlichung der nächsten Version der ICC-Spezifikation und man herausgefunden hat, wie mit der neu gewonnenen Freiheit der nicht-D50-referenzierten Weißpunkte umzugehen ist).

    • GIMP 2.10 verwendet fest kodierte sRGB-Werte zur Luma-basierten Umwandlung in Schwarzweiß. Zukünftige GIMP-Versionen werden die Umwandlung von Bildern in andere Farbräume ermöglichen.

  3. Weitere Informationen zu Helligkeit, Durchschnitt und Wert:

    Die Varianten »Helligkeit (HSL)«, »Durchschnitt (HSL-Intensität)« und »Wert (HSV)« zur Umwandlung von Farbbildern in Schwarzweiß verwenden Farbraummodelle, die in den 1990er Jahren für die schnelle Verarbeitung auf Privatkunden-Hardware erfunden wurden. Details hierzu finden Sie im Wikipedia-Artikel HSL-Farbraum.

  4. Wenn Sie sich fragen, warum LAB-Helligkeit nicht unter den Optionen für die RGB-Umwandlung in Schwarzweiß zu finden ist, dann sollten Sie bedenken, dass eine sauber berechnete Umwandlung von RGB in LAB-Helligkeit und zurück nach RGB genau das gleiche Ergebnis erzielt wie die leuchtkraftbasierte Umwandlung in Schwarzweiß. Das hat folgende Gründe:

    • Im XYZ-Farbraum steht Y für die Leuchtkraft. Wenn Sie also ein farbiges RGB-Bild in XYZ umwandeln, hat das »Y« von XYZ den gleichen Wert wie die R=G=B-Werte, die Sie bei der Berechnung der RGB-Leuchtkraft erhalten.

    • LAB ist eine wahrnehmungsbezogene vereinheitlichte Transformation von XYZ. Nehmen wir an, Sie wandeln von RGB nach XYZ um und dann nach LAB und setzen A=B=0,0 (oder 0,5 für Bildbearbeitungsprogramme, die den Mittelpunkt der A- und B-Achsen mit 0,5 statt 0,0 annehmen). Wenn Sie dann zurück nach XYZ umwandeln, dann ändern sich nur die Werte für X und Z, nicht jedoch Y.

    Anleitungen, nach denen sich bei der Umwandlung eines RGB-Bildes in Schwarzweiß mittels LAB-Helligkeit mehr als nur die relative Leuchtkraft ändert, nutzen leider nur diverse mathematische Fehler in den Umwandlungsroutinen aus.